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Forschung

Der umfangreiche und vielfach sehr hochrangige Bestand an Sachzeugen aus verschiedenen Epochen im St. Annen-Museum eröffnet ein breites Spektrum verschiedener Forschungsansätze und übergreifender Fragestellungen. Im Rahmen des ZKFL (Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck), der Kooperation zwischen Kulturinstitutionen und der Universität in Lübeck, bietet das St. Annen-Museum Promotionsmöglichkeiten zu mittelalterlichen und kulturhistorischen Sammlungsschwerpunkten an.

In der gegenwärtigen Forschungssituation erweisen sich folgende Themenbereiche als Desiderate:

  • Wie präsentiert man heute mittelalterliche Kunst? – Eine Untersuchung zum Stellenwert christlicher Kunst in Europa in einer zunehmend multikulturellen Gesellschaft.
  • Differenzierende Untersuchungen einzelner Bildtafeln und Bildwerke und Rekonstruktion ihres ursprünglichen Gesamtzusammenhanges.
  • Vergleichende Studien zu den Retabeln in Lübecker Kirchen — auf der Grundlage von Uwe Albrechts Corpus-Band, der auch die im Krieg zerstörten Werke mit einschließt.
  • Eine naturwissenschaftlich-technische Analyse der Steinskulpturen des St. Annen-Museums aus der Zeit um 1400, deren Ziel es ist, sowohl das (Stein-)Material bestimmten geographischen Regionen zuzuordnen als auch Handelswege und kulturelle Beziehungen zu verfolgen sowie den künstlerischen Austausch zwischen den Kulturzentren zu erschließen.
  • Erstellung von wissenschaftlichen Bestandskatalogen zu den verschiedenen Sammlungsgebieten, insbesondere zu den Möbeln, Porzellan, Fayencen, Glas und Textilkunst.
  • Ein Gewand für die Wand: Im Museum haben sich — neben bemalten Holzpaneelen, auf Leinen in Öl gemalten und in Leder geprägten Wandverkleidungen — Papiertapeten vom späten 18. Jahrhundert bis um 1930 erhalten. Diese korrespondieren mit den häufig in denkmalgeschützten Häusern Lübecks vorgefundenen originalen Drucktapeten. Um diese eindeutig datieren und die notwendige Wertschätzung im Prozess der Sanierung begründen zu können, aber auch den wertvollen Bestand des Museums unter verschiedenen Gesichtspunkten zu erschließen, bietet sich eine Studie zu den künstlerischen, rezeptionsästhetischen und wirtschaftsgeschichtlichen Hintergründen der Papiertapete in Lübeck an.
  • Lübecks Weg zur Musikstadt: Musikinstrumente als Geschenke von Lübecker Bürgern, Musikern, Instrumentenbauern und Kirchengemeinden sowie gezielte Ankäufe aus Nachlässen haben eine interessante Sammlung mit ungewöhnlichen Stücken wie Trompetengeige, Großbasspommer oder Nähkästchenklavier entstehen lassen. Sie geben Zeugnis von einem regen Musikleben in der Stadt, der Pflege von Kirchen-, Haus- und Schulmusik auf hohem Niveau. Anhand der Sammlung sowie der Noten-Autographen und -drucke in der Stadtbibliothek ließe sich die Entwicklung Lübecks zum Musikfestivalzentrum des Nordens erschließen.

Nähere Informationen zum ZKFL und den Förderprogrammen unter http://www.zkfl.de.

Sakrale Kunst im Depot

Die Sammlung sakraler Kunst des St. Annen-Museums gehört zu den bedeutendsten Europas. Während die berühmten spätmittelalterlichen Schnitzretabel sowie  einige weitere herausragende Skulpturen und Tafelmalereien in der Dauerausstellung präsentiert werden, befinden sich zahlreiche weitere Kunstwerke seit Jahrzehnten in den Depots des Museums. Viele dieser Objekte – darunter Skulpturen, Gemälde, Paramente und Werke der Schatzkunst vom Spätmittelalter bis in die Frühe Neuzeit – wurden bislang weder umfassend wissenschaftlich erforscht noch öffentlich gezeigt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Werken aus den Lübecker Kirchen, die von der reichen Kunstproduktion der Hansestadt im Spätmittelalter aber auch in der bisher kaum thematisierten Frühen Neuzeit zeugen. Viele dieser Objekte gelangten nach der Säkularisation des 19. Jahrhunderts oder infolge der Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs in die Museumssammlung und erzählen bis heute die bewegte Geschichte des Lübecker Kulturerbes.

Im Zuge der Vorbereitung des neuen Sammlungszentrums und der notwendigen Räumung der Depots werden diese Bestände erstmals systematisch erschlossen. Das Projekt „Sakrale Kunst im Depot“ verbindet kusnthistorische Forschung und Digitalisierung mit der langfristigen Sicherung des kulturellen Erbes Lübecks. Insgesamt sollen weit über 1.000 Objekte wissenschaftlich dokumentiert, vermessen, fotografiert und hinsichtlich ihres Erhaltungszustands untersucht werden. Die gewonnenen Daten bilden die Grundlage für den sicheren Transport in neue Depoträume sowie für die zukünftige Forschung. Außerdme werden die Daten für die geplante Online-Sammlung aufbereitet, so dass zahlreiche bislang verborgene Schätze künftig nicht nur für die internationale Forschung, sondern auch für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemach werden.

Das Projekt ist Teil eines umfassenden Zukunftsprozesses der LÜBECKER MUSEEN. Es schafft die Voraussetzungen für den geplanten Neubau eines zentralen Sammlungszentrums und den damit einhergehenden Umzug des Depots. So leistet es einen wichtigen Beitrag zum langfristigen Erhalt und zur besseren Zugänglichkeit der Lübecker Kunstsammlungen. Das Projekt, das von Anna Lena Frank seit November 2025 bearbeitet wird, wird durch die Ernst von Siemens Kunststiftung ermöglicht. 

Der Silber- und Goldschatz des St. Annen-Museums

Die Sammlung der Silber- und Goldschmiedearbeiten des St. Annen-Museums erzählt von der Geschichte, dem Wohlstand und der Handwerkskunst der Hansestadt Lübeck. Viele der kostbaren Objekte wurden in Lübeck selbst gefertigt, wie die Meistermarken und Beschauzeichen belegen. Ergänzt wird die Sammlung durch herausragende Werke aus bedeutenden Zentren wie Augsburg und Nürnberg, die die weitreichenden Handelsbeziehungen der Hansestadt widerspiegeln.

Die Sammlung umfasst dabei Meisterwerke vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart – vom berühmten Birnenpokal aus der Zeit um 1525 bis zu einer modernen Teekanne des Lübecker Goldschmieds Werner Oehlschläger aus dem Jahr 1975.

Kirche, Rat, Amtswesen und Bürgertum prägten und prägen noch immer das Leben in der Hansestadt. Anhand der Silber- und Goldschmiedearbeiten lassen sich diese Themen anschaulich entdecken. Das Forschungs- und Digitalisierungsprojekt, das von November 2023 bis Oktober 2025 von Anna Lena Frank bearbeitet wurde, erschloss die umfangreiche sowie vielschichtige Sammlung und eröffnet dadurch neue Einblicke in ihre Geschichte und ihre kunsthandwerkliche Qualität. Im Zuge des Projektes entstanden einige Aufsätze und Präsentationen wie etwa ein Beitrag zum Silberschatz der ehemaligen St. Annen-Kirche im Ausstellungsprojekt und -katalog "Verlagert. Die Kunst in Bewegung" (2025). Das Projekt wurde durch die Friedrich Bluhme und Else Jebsen-Stiftung ermöglicht.

Erfassung der Auktionskataloge 1860 bis 1979 im Bestand des St. Annen-Museums Lübeck

Historische Kunsthandelskataloge stellen eine wichtige Quelle für die Grundlagenforschung zum Kunstmarkt und insbesondere für die Provenienzforschung dar.
Die LÜBECKER MUSEEN verfügen im St. Annen-Museum über einen Bestand von etwa 3.100 Kunsthandelskatalogen der Jahre 1860 bis 1979 aus dem In- und Ausland. Etwa 700 der Kataloge weisen handschriftliche, in Quantität und Qualität variierende Annotationen auf; einige enthalten in den Beilagen Preis- oder Ergebnislisten.
Mit dem Projekt wurde dieser Bestand umfassend nach Händlern, Publikationen und Verkaufsdaten erschlossen und für die Forschung nutzbar gemacht. Neben annotierten Seiten und Beilagen wurden auch beteiligte Personen und Körperschaften sowie im Titel genannte Sammlungen und Nachlässe verzeichnet.

Zugriff auf das Verzeichnis der Kataloge erhalten sie hier.
(Tabellenblatt A enthält sämtliche Titel inklusive beteiligter Personen und Körperschaften, Tabellenblatt B enthält sämtliche Titel inklusive erwähnter Sammlungen und Nachlässe).

Das Projekt wurde gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste 

Fotoarchiv

Als Quelle unverzichtbar für Heimatforschung, Denkmalpflege, Bauforschung, Familiengeschichte, Werbung, Presse und Fotokunst ist das Fotoarchiv der Hansestadt Lübeck. Es umfasst Topographie, Personen und kulturgeschichtliche Ereignisse und dokumentiert die Lübecker Altstadt  vor der Zerstörung 1942. Darüber hinaus beinhaltet das Archiv Arbeiten von bedeutenden Fotografen des 20. Jahrhunderts wie Castelli, Appel, Schrammen, Renger-Patzsch und Umbo.

Anmeldung zur Benutzung des Fotoarchivs bei Elke Krüger:
Tel.: 0451-122 4146
E-Mail: elke.krueger@luebeck.de
Düvekenstraße 21
23552 Lübeck

Bibliothek

Für Wissenschaftler:innen und interessierte Laien steht eine umfangreiche Präsenzbibliothek zu Lübecker Kunst, Geschichte und Altertümern sowie zu allgemeinen kunst- und kulturgeschichtlichen Themen zur Verfügung.

Anmeldung zur Benutzung der Bibliothek bei Kristine Hasse:
Tel.: 0451-122 41 34,
E-Mail: kristine.hasse@luebeck.de
Düvekenstraße 21
23552 Lübeck