Schutzpatrone als Fürbitter der Stifter

Die Sonntagsseiten

Die vier Innenflügel zeigen vier große stehende Heilige in feiner Farbnuancierung. Wir sehen Darstellungen (links nach rechts) von den Heiligen Blasius, Johannes dem Täufer, Hieronymus und Ägidius, die die Schutzpatrone der Stifterfamilie Greverade und des Domes von Lübeck waren. Ab 1504 hat der Altar hier 435 Jahre unverändert am selben Platz in der Greveradenkapelle gestanden. Erst zu Beginn des Zweiten Weltkrieges ist er evakuiert worden und schließlich ins St. Annen-Museum gelangt. Er war von Adolf (um 1452 – 1501) oder seinem Bruder Heinrich (gest. um 1500) in Auftrag gegeben und 1491 als eines der letzten Werke Hans Memlings fertiggestellt worden.

Im Mittelalter, wo das Leben auf Erden ganz auf das Jenseits und die Auferstehung ausgerichtet war, war es üblich, ein sichtbares Zeichen seiner Frömmigkeit zu geben, wenn man es sich leisten konnte. Mit dieser „Jenseitsvorsorge“ hoffte man die Zeit im Fegefeuer zu verkürzen und der Erlösung näher zu rücken. Gerne versicherte man sich auch des Schutzes der Namenspatrone im Leben und ihrer Fürbitte für das ersehnte ewige Leben. Dies galt nicht nur für den einzelnen Gläubigen, sondern auch etwa für Kirchen, Orden, Zünfte oder Städte.

Die Heiligen selbst sind an ihren Attributen zu erkennen. Es sind Symbole, die ihnen mitgegeben werden und die auf ihren qualvollen Tod hinweisen oder auf zentrale Begebenheiten in ihrem vorbildlichen Leben. Denn auf der Basis dieses glaubensfesten Lebens und Sterbens sind sie zu Heiligen geworden und haben damit eine Zwischenstufe zwischen den Menschen auf der Erde und der Heiligen Dreifaltigkeit (Gottvater, Jesus Christus und der Heilige Geist) im Himmel erreicht.