Forschung

Forschungsprojekte des ZKFL

Der umfangreiche und vielfach sehr hochrangige Bestand an Sachzeugen aus verschiedenen Epochen im St. Annen-Museum eröffnet ein breites Spektrum verschiedener Forschungsansätze und übergreifender Fragestellungen. Im Rahmen des ZKFL (Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck), der Kooperation zwischen Kulturinstitutionen und Universität in Lübeck, bietet das St. Annen-Museum je drei Promotionsthemen zum mittelalterlichen und kulturhistorischen Sammlungsschwerpunkt an.

Nähere Informationen zum ZKFL unter: http://www.zkfl.de

 

> Antwerpener Exportretabel im westlichen Ostseeraum 1490-1540

Sandra Braun

 

In den Jahrzehnten um 1500 entstehen in den Werkstätten der Welthandelsmetropole Antwerpen zahlreiche großformatige Flügelretabel, die in nur kurzer Zeit zu einem gefragten Exportgut in ganz Europa werden. Hochkomplex hinsichtlich des ikonographischen Programmes und der Gesamtkonzeption vereinen sie reich vergoldetes und polychromiertes Schnitzwerk im Schrein mit qualitätvollen Tafelmalereien im Stile eines Jan van Eyck auf den Flügeln. Ihre Verbreitung in bestimmten Schwerpunktregionen (Deutschland und Schweden) sowie die weitreichenden Exportbewegungen in den Ostseeraum hinein sind von besonderer Bedeutung, da der Ostseeraum eine bis zum Ende des 15. Jahrhunderts relativ hermetisch abgeschlossene kunstgeographische Region darstellt. Sie wurde fast ausschließlich dominiert von norddeutschen Kunstimporten mit Lübeck als dem wichtigsten Zentrum. Dem entsprach eine klare Wertschätzung der Schnitzfigur, während die Tafelmalerei bzw. das reine Gemälderetabel in der Kunstproduktion des Ostseeraumes lange Zeit nur von zweitrangiger Bedeutung war. An den Antwerpener Exportretabeln zeigt sich um 1500 hingegen eine Favorisierung der südniederländischen Tafelmalerei.

Wie ist es folglich zu erklären, dass die Antwerpener Exportretabel um und nach 1500 in kurzer Zeit zu einem außerordentlich gefragten Exportgut in ganz Europa wurden?

Warum favorisierte man gerade verstärkt im Ostseeraum südniederländische Importe?

Waren die Antwerpener Retabel im Ostseeraum Ausdruck von Frömmigkeit und Jenseitsangst oder werden hier Ansätze einer Säkularisierung des Kultbildes erfahrbar?

Worin liegt am Übergang vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit die Funktion dieser Altarbildwerke?

 

In der Diskussion um ihren kunsthistorischen Stellenwert kam den Antwerpener Retabeln bisher eine untergeordnete Bedeutung zu, da der Schwerpunkt der kunsthistorischen Forschung lange Zeit auf einer Untersuchung der handwerklichen Qualitäten im Rahmen der standardisierten Antwerpener Retabelproduktion beschränkt blieb. Dies hat zur gängigen Bewertung dieser Altarbildwerke als „Massenware“ geführt. Den zumeist hochkomplexen Gebilden wird dieses kunsthistorische Urteil jedoch nicht gerecht.

 

Die Antwerpener Retabel im Ostseeraum sind nun, ausgehend von der jüngeren kunsthistorischen Forschung zur Antwerpener Retabelproduktion und von den neuen Untersuchungsergebnissen zum Antwerpener Retabel von 1518 in der Lübecker Marienkirche, erneut in den Blickpunkt der Forschung gerückt, die eine zum Teil erstmalige umfassende kunsthistorische Würdigung bzw. Neubewertung dieser Altarbildwerke im Ostseeraum nötig machen. Das Antwerpener Retabel von 1518, das als zentrales und namensgebendes Werk im Oeuvre eines der prominentesten Antwerpener Manieristen zu den künstlerisch bedeutendsten Altarbildwerken Norddeutschlands der Jahrzehnte um 1500 zählt und von der Vorliebe der Lübecker Oberschicht für südniederländische Importkunst zeugt, stellt dabei den Ausgangspunkt für das Forschungsprojekt dar.

Im Rahmen einer interdisziplinären Vorgehensweise und unter Nutzung naturwissen-schaftlicher Untersuchungsmethoden soll demzufolge eine fundierte Objektanalyse der Werke in Lübeck, Dänemark und Schweden erfolgen und ihre Stellung im Vergleich zur Werkstattpraxis anderer konkurrierender Zentren, wie es Lübeck, Ulm oder Nürnberg waren, erörtert werden. Angestrebt ist darüber hinaus eine Untersuchung, die die verschiedenen Bezüge und Verflechtungen zwischen den Antwerpener Retabeln in den Zentren Antwerpen, dem Rheinland und dem Ostseeraum herausarbeitet, um raumhistorische Beziehungen und Kulturtransferleistungen auszuwerten. Damit hat das Forschungsprojekt des ZKFL auch zur Aufgabe, ein erweitertes Verständnis zur spätmittelalterlichen Stiftungspraxis im Ostseeraum, zur Vielfalt spätmittelalterlicher Bildaufgaben und zur Rolle der Hanse/Fernhandelskaufleute im Rahmen der Kunstvermittlung um 1500 zu ermöglichen.

 

Lebenslauf  Sandra Braun:  

  • 1975 geboren in Kiel
  • 1999 Diplom-Finanzwirtin (FH)
  • 10/2001–2/2010 Studium der Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie und Ev. Theologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
  • 4/2010–2/2012 Mitarbeiterin im Forschungsprojekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft „Corpus der mittelalterlichen Holzskulptur und Tafelmalerei in Schleswig-Holstein“ am Kunsthistorischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
  • 4/2011–2/2012 wissenschaftliche Hilfskraft am Kunsthistorischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (Bereich Mediathek)
  • seit 4/2010 Dissertationsprojekt „Antwerpener Exportretabel im westlichen Ostseeraum 1490–1540“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

 

 

> Die Tafelmalerei der Hansestadt Lübeck in der Zeit von 1470 bis 1520

Miriam Hoffmann

 

Die mittelalterliche Kunst Lübecks gehört zu den beeindruckendsten und einflussreichsten Kunsterzeugnissen Norddeutschlands. Bedingt durch den Wohlstand, der durch die kaufmännischen Tätigkeiten der Lübecker Bürger zustande gekommen war, hatten sich in der Hansestadt zahlreiche Meister angesiedelt, die stilbildend auf den norddeutschen und skandinavischen Raum im späten Mittelalter eingewirkt haben. Eines der markantesten Statussymbole für Reichtum und Religiösität stellt das Retabel dar, das in Lübeck eine Synthese zwischen Skulptur und Malerei eingeht.

 

In meiner Dissertation möchte ich die Tafelmalerei Lübecks aus der Zeit um 1470 bis 1520 untersuchen. Während die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts im Bereich der Malerei noch gänzlich von niedersächsischen Vorbildern, wie z.B. den Arbeiten Conrad von Soests, geprägt war, bildete sich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ein eigener lübeckischer Stil heraus. Wichtigste Vertreter auf dem Gebiet der Tafelmalerei waren Bernt Notke (um 1435–1508/09) und Hermen Rode (vor 1465 bis nach 1504), deren individueller Stil kaum unterschiedlicher hätte sein können. Neben diesen bekannteren Meistern existierten noch ca. 20 weitere mit eigenen Werkstätten in der Hansestadt, die im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen sollen.

 

Der wichtigste Faktor zur Ansiedlung von kunstproduzierenden Werkstätten in Lübeck lag in der politischen und wirtschaftlichen Vormachtstellung Lübecks in der Hanse. Von Lübeck aus wurden auf dem Seeweg Waren nach Skandinavien und ins gesamte Baltikum transportiert. Dieses ausgesprochen gut organisierte Netz von Handelsverbindungen kam auch den mittelalterlichen Handwerkern zugute, da sie ihre Kunstwerke nun nicht mehr nur auf dem lokalen und regionalen, sondern auch auf dem internationalen Markt anbieten konnten. Besonders in den skandinavischen Raum sind zahlreiche Werke geliefert worden, von denen noch heute geschätzte 50 Objekte in Schweden, Norwegen und Dänemark existieren, wobei sich der Großteil der Werke in Schweden befindet.

 

Dieses halbe Jahrhundert stellt eine wichtige Periode innerhalb der Tafelmalerei Lübecks dar, da sie einerseits den Einfluss niederländischer Kunst dokumentiert und andererseits die Schnittstelle spätgotischer Kunst und den Übergang zur Renaissancekunst aufzeigt. Innerhalb dieses Zeitraums waren fast zwei Dutzend Maler tätig, deren Identität bis heute ungeklärt ist. Hinzu kommt, dass bis heute keine umfassende Dokumentation des erhaltenen Denkmälerbestands existiert. Die bisherige Forschung, v.a. aus der 1. Hälfte des 20. Jhs., hat sich der im Ausland befindlichen Werke nur sporadisch annehmen können. Ziel dieser Arbeit ist es, ein Denkmälercorpus der Lübecker Tafelmalerei zu erstellen, die Werke den verschiedenen Meistern und ihren Werkstätten zuzuordnen und der Frage nachzugehen, ob die sog. Exportstücke die gleiche Qualität wie die für den heimischen Markt produzierten Malereien aufweisen.

 

Die Abbildung zeigt die Antoniustafel von 1503 im Dom zu Lübeck (copyright Volker Hoffmann / Domgemeinde Lübeck).

 

Lebenslauf  Miriam Hoffmann:

  • Geboren 1979 in Kiel
  • Studium der Kunstgeschichte, Neueren Deutschen Literatur und Medien, Älteren Deutschen Literatur/Deutschen Sprachwissenschaft und der Europäischen Ethnologie/Volkskunde an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und an der Indiana University in Bloomington (USA)
  • Magistra Artium 2006 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel mit dem Thema „Die Antoniustafel von 1503 im Dom zu Lübeck und der Antoniusmeister“
  • Forschungsschwerpunkte: norddeutsche Malerei und Plastik des Mittelalters, mittelalterliche Buchmalerei

 

 

Fotoarchiv

Als Quelle unverzichtbar für Heimatforschung, Denkmalpflege, Bauforschung, Familiengeschichte, Werbung, Presse und Fotokunst ist das Fotoarchiv der Hansestadt Lübeck. Es umfasst Topographie, Personen und kulturgeschichtliche Ereignisse und dokumentiert die Lübecker Altstadt  vor der Zerstörung 1942. Darüber hinaus beinhaltet das Archiv Arbeiten von bedeutenden Fotografen des 20. Jahrhunderts wie Castelli, Appel, Schrammen, Renger-Patzsch und Umbo.

 

Anmeldung zur Benutzung des Fotoarchivs: Elke Krüger, 0451-122 41 46, E-Mail: elke.krueger@luebeck.de

Düvekenstraße 21

D-23552 Lübeck

 

 

Bibliothek

Für Wissenschaftler und interessierte Laien steht eine umfangreiche Präsenzbibliothek speziell zu Lübecker Kunst, Geschichte und Altertümern zur Verfügung sowie zu allgemeinen kunst- und kulturgeschichtlichen Themen.

 

Terminabsprache zur Benutzung der Bibliothek: Andrea Schwarz, 0451-122 41 34, E--Mail: andrea.schwarz@luebeck.de

Düvekenstraße 21

D-23552 Lübeck

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Interkultureller Sommer
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